Gepostet am: 14. Februar 2017 | Antje Hauptmann
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Kann die Grabgestaltung beim Trauern helfen?

Gefühlswelt auf der Überholspur
Trauerbewältigung durchlebt jeder Betroffene auf seine ganz eigene Weise. Der erste große Schritt ist das schmerzvolle Abschiednehmen – der Besuch der Bestattung. Ohne die Gespräche mit vertrauten Freunden und Verwandten ist diese Phase kaum zu ertragen. Man befindet sich in einer Art Schockstarre und kann nicht greifen, was gerade alles passiert. Es fühlt sich an, als wenn man sich wie in einem Zug auf Schienen bewegt. Ab und zu steigen Personen dazu und helfen bei den Entscheidungen, welchen Weg man wählen soll. Es gibt Menschen, die fahren die ganze Zeit mit, andere begleiten einen nur einige Stationen. Es geht alles sehr schnell und es gibt kaum Zeit, seinen Emotionen freien Lauf zu lassen. Die Beerdigung ist die Endstation für diese schnelle Phase, bei der man das Geschehene gar nicht wahr haben möchte.

Die Gefühle kochen über
Es wird alles ruhig um einen herum. Überwältigende Trauer, Verlust, Verzweiflung, Einsamkeit, Wut, Zorn und die Frage nach dem Warum plagen einen – teilweise über Wochen, Monate oder sogar Jahre. Man muss sich von vielen Dingen des Verstorbenen trennen. Machen Sie das nicht alleine. Lassen Sie sich Zeit dabei und bewahren Sie ein paar Lieblingsgegenstände als Erinnerungsstücke auf. Ein Trauerbuch mit Fotos, schönen Erlebnissen und Anekdoten kann helfen, die Erinnerungen festzuhalten. Und ganz wichtig: lassen Sie die Trauer zu und versuchen Sie nicht nach außen stark zu wirken. Spaziergänge an der frischen Luft sind gut für Körper und Seele.

Pflanzen können helfen
Um sich aus dem Grübeln herauszuholen ist der Gang zum Friedhof eine willkommene Abwechslung. Ca. 6 Wochen nachdem das Grab mit Erde aufgefüllt wurde, kann es bepflanzt werden. Wer einen traditionellen Grabstein ausgesucht hat, der sollte sogar mit der dauerhaften Gestaltung warten, bis er platziert ist, damit alles gut zusammen passt. Man kann durch Formen, unterschiedliche Pflanzenfarben oder Kombinationen mit Kies schöne Effekte erzielen und einen Bezug zum Verstorbenen herstellen. Aber auch Pflanzen haben die unterschiedlichsten Bedeutungen.

Hier ein paar Pflanzen und ihre Symbolik:

  • Der Ginkgo steht für Hoffnung, langes Leben, Fruchtbarkeit, Lebenskraft, Freundschaft, Anpassungsfähigkeit und Unbesiegbarkeit. Die geteilten Blätter des Ginkgo symbolisieren Zuwendung und Miteinander über den Tod hinaus.
  • Die Golderdbeere gilt wegen ihrer dreigeteilten Blätter als Symbol für die heilige Dreifaltigkeit Vater, Sohn und Heiliger Geist.
  • Der Ur- bzw. Weltenbaum Taxus ist ein Symbol der Totenruhe und durch seine immergrüne, sehr hohe Langlebigkeit auch ein Symbol für Unsterblichkeit.
  • Der Ilex gilt als Symbol für Glück, Schutz vor allem Bösen und Frieden.
  • Die Glockenblume Campanula poscharskyana steht für Dankbarkeit und ist ein Zeichen der engen Verbundenheit.
  • Die Kiefer verkörpert Lebensdauer, Freundschaft und die Ehe. In der Baumsymbolik sind die immergrünen Kiefern ein Symbol für Ausdauer, Bescheidenheit, Beständigkeit, Unsterblichkeit und langes Leben.
  • Die Rose hat sehr viele Symbole, aber in erster Linie steht sie für die Liebe.

  • Die Buche ist ein mitfühlender Tröster und weiser Ratgeber. Sie ist ein idealer Baum zum Trösten in Krisen; beruhigt, stärkt und schenkt emotionale Energie.
  • Der Ahorn steht für Harmonie und die Vereinigung von Gegensätzen. Er verbreitet Ruhe und Gelassenheit und verhilft zu klaren, offenen Gedanken.

Formen und ihre Bedeutung:

  • Das Herz ist das Symbol der Liebe und des Lebens.
  • Die Gestaltung mit runden Formen steht für Ewigkeit, den Toten schützend und Unheil abwehrend.
  • Eine Lebensspirale verkörpert das ständig sich erneuernde Leben und die Erlösung durch Christus.
  • Das zweigeteilte Blatt steht als Symbol für Yin (Sanftheit) und Yang (Lebenskraft), Sinnbild des weiblichen und männlichen Prinzips, des Tages und der Nacht, von Freud und Leid sowie von Leben und Tod.
  • Ein Quadrat versinnbildlicht die Erde, die Materie, seine vier Ecken deuten die vier Jahreszeiten an, die vier Himmelsrichtungen und alles was der Zahl vier entspricht. Es ist der menschliche Kosmos, mit seinen Begrenzungen und der Inbegriff von Ordnung und Halt. Es zügelt das Chaos.

Wie Sie sehen können, sollte man sich auch im Vorfeld mit den einzelnen Elementen und Pflanzen beschäftigen.

Meine Favoriten sind die runden Formen, sie drücken meine Gefühle am besten aus. Außerdem würde ich mich für eine Buche als Stämmchen entscheiden. Ich finde sie nicht nur schön, mich hat auch ihre Symbolik überzeugt. Das Grab sollte ein Ort sein, an dem man eine Verbundenheit zu dem Verstorbenen fühlt. Die Grabgestaltung kann ein weiterer Schritt sein, um die neue, total veränderte Situation zu begreifen und langsam zu akzeptieren.

Auch wenn man das eigene Leben wieder langsam in die Hand nimmt, wird es Rückschritte geben, emotionale Momente, Erinnerungen, hervorgerufen durch Bilder oder Musik. Der Gang zum Grab kann helfen. An frischer Luft tief durchatmen, einen Blumenstrauß erneuern oder einfach nur die Gedanken fließen lassen.

Ihre Antje Hauptmann

 

Mustergräbern mit unterschiedlicher Symbolik

Gestalten Sie ein Grab mit Formen und Pflanzen